Vorschau Ausstellungen

ZEITANSICHTEN

 

20.10.2016 - Mai 2017 im Klinikum West  Rostocker Chaussee Haus 6  Stralsund der Helios Kliniken

 

 

Vernissage ZEITANSICHTEN

Verehrte Gäste,

 

diese Ausstellung verdanken Sie einer Frage, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Station stellten – und zwar der Frage nach der Belebung der Räume.

 

Dazu paßt ganz ausgezeichnet ein Zitat von Oktavio Paz, was ich auf Ute Kümpels Website fand.

VORLESEN

Damit sind wir mitten im Thema

 

Es findet eine Ausstellung statt in Räumen, die eine ganz andere Funktion haben. Die Künstler, die hier ihre Werke präsentieren, verzichten also erst einmal auf etwas – darauf, ihre Werke in einem freien Raum zu zeigen, der die Arbeiten ins denkbar beste Licht rückt und nichts anderes will als dies.

Sie gewinnen auch etwas – nämlich den Dialog mit der Funktionalität des Raumes und den sich darin bewegenden Menschen, die gar nicht hierher kommen, um Kunst zu betrachten, sondern um ihrer Arbeit nachzugehen, ob als Patienten oder als Mitarbeitende.

Dieser Herausforderung stellen sich nicht unbedingt alle Künstler und K.-innen gern. Deshalb freue ich mich sehr, Ihnen heute Ute Kümpel und Matthias Langer vorstellen zu dürfen.

 

Matthias Langer ist 1970 in Varel geboren und lebt und arbeitet heute unter anderem in Binz.

Er hat Kunstpädagogik und Mathematik, anschließend an der Hochschule für für Bildende Künste in Braunschweig Fotografie, Typografie und Malerei studiert. Außerdem drückt er sich über Sprache, also schreibend, aus.

 

Ute Kümpel ist 1967 in Bad Hersfeld geboren , lebt und arbeitet schon lange in der Schweiz.

Sie hat Handbuchbinderin gelernt, dann Kunsttherapeutin studiert mit dem Schwerpunkt Malerei, hat immer das Bedürfnis gehabt, sich auf unterschiedliche Weise künstlerisch auszudrücken und kam so u.a. auch zur Fotografie. Vor kurzem hat sie noch eine Ausbildung zur dipl. Farbgestalterin HF abgeschlossen

 

Falls Sie schon einmal herum gegangen sind, werden Sie bemerkt haben, daß die beiden Arten des Fotografierens nicht vergleichbar sind.

 

M.L.s Arbeiten erzählen von Dauer. Ein Zitat im Zusammenhang mit Biografischem, gefunden auf seiner Website, lautet: „Die Überblendung der einzelnen Seiten, die Aneinanderreihung der Geschichten, ergibt das Bild, das das Leben sein kann.“

 

    1. Was schreibt sich alles in einen Raum ein, wenn man alle Bilder einer Theateraufführung übereinanderlegt? Die Einstellungen seiner Kamera sind so lange, wie das jeweilige Ereignis dauert – eine Theateraufführung lang oder die Zeit des Schlafens lang oder so lang, wie es braucht, bis die Kerzen heruntergebrannt sind. Und plötzlich wird sichtbar, was in diesen Zeiten geschieht und es entstehen Fragen und Empfindungen. Schauen Sie sich z.B. diese Kerze mit Lilie an und lassen Sie sich ein auf dieses Licht in der dunklen Umgebung, die ruhige Lebendigkeit der Blume und die Reduziertheit des sichtbaren Raumes – und das Wissen um die Stunden des Zuschauens der Kamera: da passiert etwas in Ihnen, da bin ich mir sicher. Ob das nur leicht ist, sei dahin gestellt – aber es ist intensiv.Für Stralsunder_innen besonders interessant ist das Werk "Ein Sturm nach Shakespeare", der eine Aufführung am Theater Stralsund zeigt.

      Und so wird 2erlei sichtbar. Das was hier in diesem Raum objektiv in dem Zeitraum geschieht und das, was in Ihnen geschieht, angeregt durch die Betrachtung.

 

Womit wir bei Paul Klees bekanntem Zitat wären: Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.

 

U.K. Nimmt uns mit in die Gegenwärtigkeit des unwiederbringlichen Augenblicks. Alle Fotografien, die Sie hier sehen, sind malerische Spiegelungen auf dem Wasser. Diese Farben und Klänge hat sie gefunden. Sie sagt dazu ganz lapidar: alle Fotoarbeiten sind unbearbeitet und ungeschönt. Wie muß ich mich in der Welt bewegen, um diese Bilder zu entdecken, zu erleben, zu fotografieren?

 

Bei Matthias Langer ist es sofort klar, daß da ein Fotograf unterwegs ist, der mit Fotografie Kunst macht und dazu auch technisch auf höchstem Niveau in der Lage ist – Ute Kümpel malt mit fotografischen Mitteln und beherrscht ebenfalls das Handwerk so gut , dass die Technik keinen Bruch in der Gegenwärtigkeit verursacht, sondern die Kamera das Auge wird, durch das wir in den Genuß des Sehens kommen dürfen – es stimmt, was einmal jemand über ihre Arbeit sagte: ich habe durch Dich sehen gelernt.

 

Für Diese Ausstellung an diesem Ort wurde die Fotografie gewählt, weil sich hier junge Pat. bewegen und im Moment die Fotografie eine Kunstform ist, für die sich gerade junge Menschen auch öffnen können.

Es wurde versucht, den Fluren ein Gesamtgepräge zu geben.

Die Nebenräume sind spielerisch einbezogen, auch reagierend auf das, was wir vorgefunden haben. Im Warteraum gibt es das Gruppenfoto des Teams, also warum nicht die Frage stellen nach Jung und Alt und Beziehungen zwischen Menschen? Das wurde mit den Kollagen von Katharina Eigenmann Furler getan. Im Aufenthalts- und Speiseraum tummeln sich sehr lebendig die Kois von Astrid J. Eichin und die formal sehr interessanten Detailaufnahmen der nassen Stühle von Ute Kümpel interagieren heiter mit dem Raum.

Der Besprechungsraum brauchte keine weitere Farbe, deshalb gibt es dort einen s/w Holzschnitt von Kerstin Latz, der die Frage des Dialogs aufgreift und die Malerei von Lydia Leigh Clarke, die Sie im Therapieraum 1 finden,  schien uns einfach wie für diesen Raum gemacht.


 

Die Galerie KUNSTundCO führt einen Bestand von Werken der ausstellenden KünstlerInnen. Insbesondere sei auf das Werk der Malerin und Grafikerin Kerstin Latz verwiesen. Sollten Sie Interesse an einer Sichtung außerhalb der aktuellen Ausstellungen haben, melden Sie sich bitte gern, vorzugsweise per Mail.             Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.